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"Merci Udo" - Michael von Zalejski spielt die großen Hits von Udo Jürgens

geschrieben von Alles was fremd ist 
"Merci Udo" - Michael von Zalejski spielt die großen Hits von Udo Jürgens
08. July 2015 20:05
UDOS LIEDER LEBEN WEITER

Michael von Zalejski mit „Merci Udo“ im Brunnenhof der Residenz (München), 7.7.2015 - ein Konzerteindruck

Die Solokonzerte von Udo Jürgens waren etwas ganz Besonderes. Nur er allein auf der Bühne, ein Mann und sein Klavier (ein paar Lieder bei den Tourneen auch mit Geige bzw. Gitarre und Percussion) – Udo pur, mit seinem typischen Klavieranschlag der gebrochenen Dreiklänge, mit den präludierten Liedeinleitungen, mit dem so herrlichen selbstironischen Schmäh, und vor allem mit der Fähigkeit, Lieder zu erzählen, sie ganz in die Gegenwart zu holen, sie unmittelbar mitlebbar aufzubereiten. Da ist jedes Wort wichtig, jeder Ton. Ganz nah bei den großen Klavierliedkomponisten von Schubert bis Wolf sind die Lieder von Udo Jürgens, von ihm selbst solistisch vorgetragen, zumal die anspruchsvolleren, die „Lieder, die im Schatten stehen“, wie eine großartige Platten- und spätere CD-Reihe betitelt wurde.

Der aus Hannover stammende Michael von Zalejski wagt sich nun mit einem Udo Jürgens Soloprogramm aufs Podium. Wer viele Jahre die Karriere von Udo mitverfolgt hat, ihn in Konzerten erlebt hat, kann nicht umhin, so einen Neuversuch an Udo zu messen. Michael von Zalejski versucht gar nicht zu verbergen, dass er den Original Udo genau so wie dieser seine Lieder interpretiert hat mit höchstem Respekt betrachtet. Er spielt selbst exzellent Klavier, mit gutem Groove und mit sensibler Zurücknahme, je nach Lied kongenial eingesetzt, er hat eine sauber geführte gute Chansonstimme für die Lieder. Was er von Udos Auftritten übernimmt, ist eine besonders sensible Liedauswahl zwischen nachdenklichen persönlichen Liedern und Hits, das präludierende und auch klug durchdachte Einleiten der Lieder, vielfach den Schmäh, die Lieder mit kleinen auch lokal passenden Bonmots aufzulockern, das Publikum mitsingen und mitklatschen zu lassen (ja sogar das „Üben“ von Liedzeilen), und vor allem: die Lieder dort wo es Udo auch getan hat „ganz in die Gegenwart zu erzählen“.

Dabei ist Michael von Zalejski ein herberer Typ als Udo. Das streift er das ganze Konzert nicht ab, wodurch etwas mehr Distanz als bei Udos Konzerten erhalten bleibt. Es zeichnet den Künstler aber auch aus, dabei er selbst zu bleiben, nicht mutwillig etwas mehr Lockerheit vorzutäuschen etwa mit äußerlichen Effekten wie Werfen des Stecktuchs ins Publikum oder einem Bademantelfinale. Insofern ist er eine musikalisch für dieses Genre vehement begabte eigenständige Persönlichkeit, die versucht, nach bestem Wissen und Gewissen dem großen Solokünstler Udo Jürgens gerecht zu werden.
Was bleibt, ist zunächst (und dies ist ein großes Kompliment) die bestätigte Erkenntnis des langjährigen Udo Fans: Was für Lieder sind das, was für große, gescheite Lieder mit griffigen Zeilen, Melodien und Wendungen, mit beherztem Inhalt, mit dem Schmäh des Lebenskünstlers und Lebemannes, mit dem Einfühlungsvermögen des Menschenbeobachters und Familienmenschen. Die Seele der Lieder war ganz da, auch in der herberen Interpretation von Michael von Zalejski.

Die Seele der Lieder: Von der ersten Sekunde an ist sie da, und die ist etwa 20 Minuten vor Konzertbeginn anzusetzen, als vom Band wie bei Udos Konzerten ein Klaviermedley seiner Lieder zu erklingen beginnt. Wer das Programmheft mit den Liedtiteln des Konzerts vor sich hat merkt rasch, dass Michael von Zalejski hier Lieder gewählt hat, die er nicht live vortragen wird. Insofern schon da: Respekt vor Udos Lebensleistung als Liederkomponist, möglichst viel hineinpacken wollend, auch dort, wo es die Hörerschaft eher unbewusst erreicht.

Im wunderschönen Ambiente des Brunnenhofs der Residenz in München sind die Stuhlreihen nicht einmal zur Hälfte besetzt – das ist schade, das Konzert hätte mehr Zulauf verdient. Auf der Bühne steht ein Steinway Flügel. Wie bei Udos Konzerten wird das Klavierspiel vom Band mit „Aber bitte mit Sahne“ etwas lauter gestellt, um das Publikum „anzuheizen“. Aus dem Off hört man die ersten Strophen von „Noch drei Minuten“, und Michael von Zalejski tritt mit der darin enthaltenen „Fanfare“ (hier ist es „Ich war noch niemals in New York“) auf, um das Lied am Klavier fertig zu singen. Als erstes Lied danach hat er den griffigen Klassiker „Ein ehrenwertes Haus“ gewählt, und da greift bereits der erste gute Schmäh: „Wir ziehen in die Residenz ein, da hinten ist ziemlich viel frei…“ Und schon folgt das erste große ruhige Lied, die Ballade „In allen Dingen lebt ein Lied“. Michael von Zalejski leitet die Lieder, das freut den Udo Fan ganz besonders, auf seine Art herzlich, mit fundiertem Grundwissen Udos Karriere betreffend ein, nicht nur dieses. Das „Weichei“ kommt trotz des herberen Charmes sehr gut an, die Leute lachen herzlich. Interessant ist, dass der Künstler hier von Udos Privatkonzert in Hannover berichtet (bei dem er anwesend war), wo das Publikum zunächst etwas lasch mitging und Udo um es so richtig kämpfen musste. Sehr schön ist es, wieder mal „Damals wollt´ ich erwachsen sein“ zu hören. Die Pointen des „Vielen Dank für die Blumen“ werden gekonnt serviert, und ein erster besonderer Höhepunkt ist die Soloversion von „Wohin geht die Liebe, wenn sie geht“, eines Liedes aus Udos letzter CD „Mitten im Leben“, das zuletzt im Fernsehen von Herbert Grönemeyer zu hören war, was Michael von Zalejski in seiner Einleitung auch hervorhebt. Man merkt: Er ist wirklich „ganz drin“ in dem, was die Udo Fangemeinde weiß und interessiert. Der freche Hit „Es lebe das Laster“ bringt Power und weiß sich zurückzunehmen, wo auch Udo das Lied angehalten hat, um die Pointen stärker wirken zu lassen. Und auch den „Griechischen Wein“ bringt der Künstler wie Udo zuletzt, erzählend beginnend und erst mit der zweiten Strophe rhythmisch sich festigend. Die Intensität ist spürbar, ein starker Vortrag. Da lässt sich auch „Humtata und Tätärä“ auskosten, mit den Jodler des Hannoveraners. Wie gehabt: Die Pointen des Wortverniedlichens erhalten die nötige erzählende Verzögerung, damit jeder alles gut versteht und herzlich mitlachen kann, was auch viele im Publikum gerne tun. „Was ich dir sagen will“ bringt Michael von Zalejski souverän dreisprachig, und er nimmt sich auch die Zeit, die Strophe einmal am Klavier ohne Gesang auszuspielen. Ein großes Lied, würdig neu live erspürt. Vor der Pause wird die „Kurze Unterbrechung“ textlich leicht aktualisiert. Bis in kleinste Details hat der Künstler sich Gedanken gemacht, Udo, den Liedern und der Aktualität, also dem Zeit- und Ortsbezug, gerecht zu werden.

Der zweite Teil nach 20 Minuten Pause beginnt mit einem kurzen Klavierintro vom Band – „Masken“ (auch dies eine interessante, hervorragende Wahl). „Die Welt braucht Lieder“ erinnert den Fan schmerzlich an Udos letzte Tournee mit ihrem unvergesslichen Opening. „Mein Gesicht“ gehört zu den großen persönlichen Liedern Udos – die sensible Liedauswahl besticht immer mehr. Danach erzählt Michael von Zalejski die Szene aus „Der Mann mit dem Fagott“, in der Udos Großvater mit seinen Söhnen mitten durch einen Brunnen geht, um zu einem Tisch zu gelangen – und bringt „Geradeaus“. Einer der Höhepunkte jedes Udo Konzerts war „Der gekaufte Drachen“, die Geschichte eines Vaters, der den Sohn nur materiell abgesichert wissen wollte, ihn als Mensch übersah – wie Udo dieses Lied zumal wenn er den Refrain begann zum Weinen intensiv zu gestalten wusste, wie sollte das jemand ähnlich bewegend interpretieren können? Michael von Zalejski schafft es mit Anstand und Würde, Udos Verzögerungen fast punktgenau übernehmend, sie aber auch ganz gegenwärtig machend. Das ist eines der Beispiele, das beweist: Udos Lieder leben weiter, auch live, von anderen gesungen – wenn sich der Interpret damit identifiziert und das Können hat, die Stimmung, die Atmosphäre eines Liedes ganz ins Jetzt zu holen. Charmant pointiert ist der Walzer „…und da hab ich ihr das Leben gerettet“ angelegt, Udo als frecher Frauentröster. Der Udo Fan erkennt, wie genau der Künstler Udos Live-Original studiert hat, bis zum Sich-Anbieten für alle Fälle. Aber genau so muss man dieses Lied bringen, und die Pointen kommen gut, das Publikum schmunzelt herzlich. „Frauen“ gibt die Möglichkeit, wieder zu grooven, das liegt Michael von Zalejski besonders gut. Sehr berührend kommt „Mein Baum“, eines der großen privaten Lieder Udos. Und dann das von vielen erwartete Hit Medley, geschickt zusammengestellt – „Mit 66 Jahren“, „Ich weiß, was ich will“ (sehr gut mit zurückhaltender Vor- und Zwischenstrophe), „17 Jahr“, „Paris – einfach so nur zum Spaß“ (mit der Textfassung der späteren Aufnahme), „Liebe ohne Leiden“ (das Publikum soll mitsingen, klar), und „Merci Cherie“, in der dritten Strophe als große Verbeugung und sehr berührend „Merci für die Lieder, Genie“ abwandelnd. Und der Knaller zum regulären Abschluss „Aber bitte mit Sahne“, da wird wieder gegroovt. (Großer Respekt übrigens auch bei allen Tonartwechseln der Lieder, die der Künstler streng nach Udos Originalen durchzieht.) So gut es an dem sich verlaufenden Open Air Ort möglich ist, zeigt sich das Publikum ehrlich begeistert.

Die erste Zugabe ist selbstverständlich „Ich war noch niemals in New York“, mit allen ausgekosteten Feinheiten dieses Klassikers und mit jazzigem „New York“ Mittelteil sowie mit dem herzlich belachten „Dschungelcamp“ und mit einer letzten Mitsingmöglichkeit, und die zweite unterstreicht noch einmal die Sensibilität der Liedauswahl – „Ein Narr sagt Dankeschön“.

Fazit: Ein würdiger und berührender Konzertabend mit Udo Jürgens Liedern. Diese leben weiter, auch und gerade live. Hochachtung vor dieser Leistung.
Re: "Merci Udo" - Michael von Zalejski spielt die großen Hits von Udo Jürgens
05. September 2015 16:21
Danke für diese ausführliche Konzertkritik. Ich wünschte, ich wäre dabei gewesen.
Re: "Merci Udo" - Michael von Zalejski spielt die großen Hits von Udo Jürgens
16. September 2015 16:02
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