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Blick über den Tellerrand: Howie live

geschrieben von Tomtom 
Blick über den Tellerrand: Howie live
21. April 2010 23:55
Ihr Lieben,

gestern habe ich mir wieder mal den Blick über den Udo-Tellerrand erlaubt - und ich muss ehrlich gestehen, dass das Menu okay war. Auf der Speisekarte stand "Carpendale 2010: Stark" live in Erfurt. Vielleicht interessieren Euch meine Eindrücke - immerhin ist "Howie" ja doch irgendwo mit Udo vergleichbar - ein absoluter Profi, der nichts dem Zufall überlässt, eine starke Band im Rücken hat, seit Jahrzehnten erfolgreich im Geschäft ist...und nach seinem etwas merkwürdigen "Abschied" ja auf einmal auch beim Golfspielen und an den Stränden dieser Welt wieder bemerkt hat, dass ihm die Bühne doch fehlte. Wenn ich mich recht erinnere, hatte Udo Jürgens das auch während der Carpendale-Abschiedstournee öffentlich genau so prophezeit.
Nun läuft also die zweite Carpendale-Tournee nach dem Comeback, "Stark" heißt sie und der Zuhörer erlebt wirklich einen sehr unterhaltsamen Abend. Die Halle in Erfurt ist in etwa vergleichbar mit der Düsseldorfer Philipshalle - allerdings erlebte ich schon vor dem Konzert die erste Überraschung. So waren die Seitentribünen komplett durch Vorhänge zugehängt, dort waren keine Karten verkauft worden. Die Zuschauerbereiche beschränkten sich also auf das Parkett und auf die Tribüne dahinter. Wobei ich auch erwähnen muss, dass sogar Teile im Parkett-Bereich leer blieben - "ausverkauft" sieht anders aus. Über die möglichen Ursachen dafür hier zu diskutieren, würde meiner Meinung nach zu weit führen. Bemerkenswert ist es aber allemal.
Kurz nach 20 Uhr begann das Konzert - einige Eindrücke: Bei seinem Auftritt musste ich gleich mal herzhaft lachen. Die Bühne wurde in Nebel gehaucht, die Band brachte ein wenig Spannung in den Saal, Scheinwerfer blendeten die Zuschauer und auf einmal stand "Howie" auf der Showtreppe, von einem Spot angestrahlt. Kennt Ihr das nicht auch von irgendwo ? Ich fühlte mich doch sehr an Udos "Einfach Ich"-Auftritt erinnert. Carpendale machte einen sehr relaxten, coolen, angenehm entspannten Eindruck. Man hatte nie das Gefühl, dass das für ihn "harte Arbeit" wäre, er bat alle Zuschauer darum, sich einfach zurückzulehnen, die Band und ihn mal machen zu lassen. Sehr oft saß der Künstler auf seinem weißen Barhocker, bewegte sich aber auch immer mal wieder ruhig und gelassen über die Bühne.

Der Funke sprang recht schnell über, geschickt gewählte Songreihenfolge, im ersten Teil fast nur neues Material, aber immer mal wieder ein Klassiker zwischendurch. Nette Idee direkt zu Beginn: Aus einer Art Konfettikanone wurden vor einem Refrain goldene Bänder in die Halle geschossen, die sich teilweise dann im Hallendach verfingen und so für nette Lichteffekte sorgten.
Thema "Bühnensturm": Wenn bei Udo die Jungs und Mädels aus den ersten Reihen jammern, wenn nach der Pause gestürmt wird, können sie froh sein, dass sie nicht zu "Howie" gehen. In Erfurt gab es schon im ersten Teil kein Halten mehr und einige Unentwegte jagten zur Bühne. Die Ordner waren überfordert, überrascht, aber alles lief sehr ruhig und vernünftig ab. Von Schimpftiraden oder Protesten vorne an der Bühne, wie so oft bei Udo, war jedenfalls nichts zu spüren. Im zweiten Teil stürmten die Fans dann richtig vor die Bühne, aber auch da lief alles gesittet ab - Carpendale sorgte sich nur um zwei Ordner, die mitten unter den Fans standen. "Lasst die doch mal raus - die stehen auf andere Musik und nicht meine." Überhaupt arbeitete Carpendale auch immer wieder mit der gehörigen Portion Selbstironie, brachte zum Beispiel "Alice" als Elvis-Double.
Sehr beachtlich fand ich persönlich wieder einmal seine Coversongs. Er ist ja dafür bekannt, dass er immer gerne Lieder anderer Künstler in seine Shows einbaut. "Ich bin eigentlich fast der einzige Künstler in Deutschland, der das macht. Eigentlich verstehe ich das nicht, denn in Amerika ist das normal", sagte er und spielte da auch auf die letzte Tournee an, als er Udo (New York) und Maffay gecovert hatte. "Ich mag Maffay sehr und Udo Jürgens ist aus der Showbranche nicht wegzudenken", sagte er wörtlich, ehrlich und authentisch. Das Publikum spendete Beifall und er sang unter anderem "Pflaster" von Ich+Ich in einer wirklich tollen und sehr rockigen Version. Auch "Every breathe you take" von Police war richtig gut - allerdings werde ich das klatschwütige deutsche Publikum wohl manchmal nie verstehen. Wie man bei "Every breathe you take" wie beim Musikantenstadl mitklatschen kann, erschließt sich mir nicht. Ebenso interessant für Euch vielleicht, dass "Howie" im zweiten Teil rund eine halbe Stunde nur Oldies spielte. Ein alter Hit nach dem anderen - ruhige wechselten sich mit rockigeren ab, mal nur kurz angespielt, mal etwas ausführlicher, mal ganz ausgespielt. Eigentlich bin ich kein Freund von diesen Oldie-Blöcken, aber bei Carpendale war es eine gelungene Mischung aus rockigen Partykrachern und eben sehr ruhigen Balladen.
Die Show war nach rund zwei Stunden reiner Spielzeit vorbei - gut 25 Minuten Pause. Howard Carpendale kam noch einmal zu EINER (!) Zugabe zurück auf die Bühne - wobei die Zugabe nur die Wiederholung des allerersten Songs war. Das war aus meiner Sicht ein wenig enttäuschend - da hätte ich mir mehr Kreativität erwartet. Allerdings ist das nur eine persönliche Meinung von mir. Andererseits kann man natürlich auch sagen, dass diese Wiederholung die Dramaturgie des Abends abrundete. Bemerkenswert vielleicht auch noch die starke Band samt Background-Sängern, die hervorragende Arbeit mit Lichteffekten, der ausgezeichnete Ton - jedes Instrument war glasklar zu hören.
Fazit: Meine Hochachtung vor Udo, der nach wie vor in dieser Liga die Tabellenführung innehat. Carpendale ist zwar wieder da und "stark", aber er hat offenbar ein Publikumsproblem und spielt derzeit in der Liga der besten deutschsprachigen Interpreten klar hinter Udo höchstens die zweite Geige...
Dennoch lohnt sich ein Besuch allemal - denn der Blick über den Tellerrand hat noch niemandem geschadet.

Lieber Gruß,

Tom
Re: Blick über den Tellerrand: Howie live
26. April 2010 11:13
Hallo Tom,

ich glaube, wir sind hier durchaus so flexibel, daß wir Udo Jürgens nicht auf einen Podest stellen und rechts und links keinen anderen Künstler mehr anschauen.

Howard Carpendale finde ich auch gut und er macht, wie du richtig sagst, auch einen entspannten und unkomplizierten Eindruck.

Wenn Udos Konzerte 3 Stunden dauern und die von Howard Carpendale 2 Stunden,
dann ist das eben so - jeder so, wie er mag und kann.

Die "Zugaben" sind doch vorher schon mit eingeplant oder kommt es auch vor, daß ein Künstler 15 bis 30 Minuten länger singt, als er vorhatte?

Ich denke, Udo geht mit seinen 3 Stunden Konzert schon ganz schön an seine persönliche Grenze. Wenn die Konzertlänge mal eines Tages kürzer wird, dann mit Sicherheit nicht aus Lustlosigkeit.
Re: Blick über den Tellerrand: Howie live
27. April 2010 00:07
Wow... - freuuu... - ich dachte, es gäbe außer mir keinen, die Carpendale gut finden. Ich hab's irgendwie verpasst, mir ein Ticket für diese Tour zu kaufen - danke für die Berichterstattung, TomTom...

Aber ich war mehrfach in Carpendale-Konzerten. Ich teile Deine Einschätzung: Er ist ein entspannter Voll-Profi. Seine Show ist in meinen Augen in der Tat Weltklasse-Entertainment.

Er ist für mich die klare Nummer zwei unter den Entertainern - das ist nicht etwa abwertend gemeint, sondern ein dickes Kompliment. Er versteht wie Udo, sein Publikum mitzureißen, total zu begeistern.

Und erst kürzlich in einer Talkshow hat er Udo Jürgens großen Respekt gezollt und gesagt, was viele denken: Dass Carpendale und Udo sich in eine Reihe mit Witzfiguren wie Wendler stellen müssen (alles Oberbegriff "Schlager"winking smiley, ist in der Tat bitter.

Lange Rede - kurzer Sinn: Ich hab mir vorgenommen, das nächste Mal wieder hinzugehen, wenn es heißt: "Howard on Tour" - ist sicher eine dicke Empfehlung. Und Leute, die da Vorurteile haben, sollten sich zum Einen selber ein Bild machen und zum Anderen daran denken, mit was für Vorurteilen Udo zu kämpfen hat.

Viele Grüße

Stephan Imming
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